| Um 10.00 Uhr gibt's das erste Frühstück. Reichhaltiger könnte es nicht sein. Porridge, genannt Brei mit Milch, Zucker und Marmelade, Salami, Käse, gekochte Eier, Kaffee, Beerensaft, selbstgebackene Brötchen, Müesli....... Unglaublich, was sich so weit von Zivilisation so alles präsentiert. Ich glaube, unsere mitgebrachten Lebensmittel (man weiss ja nie...) werden wir entweder wieder nach Hause nehmen oder wir überlassen sie am Schluss den Betreibern des Wildnishotels.
11.00 Der "Chef" kommt. Timo, der Spitalentlassene. ...und gleich geht es los mit den Geschichten eines belesenen Finnischen Lehrers. Ein überaus positiv denkender Mensch, der es versteht, mit Leuten umzugehen. Er bezeichnet sich, wenn auch nur spasseshalber, als lappischer Schamane. Diese Behauptung stosse vor allem bei unverheirateten Japanerinnen auf ein offenes Gehör. Timo: "Japanerinnen müssen vor der Heirat unbedingt noch ein paar Dinge "erlebt" haben." So zum Beispiel das Polarlichter sehen oder mit einem Schamanen schlafen. Falls es dann mit dem Polarlicht nicht klappt, könne er dann notfalls immerhin bei der Nacht mit dem Schamanen aushelfen.
Aber Spass bei Seite, Schamane ist Timo sicher keiner. Vielmehr ist Timo ein vorzeitig pensionierter Deutschlehrer aus Tampere (ca. 800 km südlich von Ivalo), der vom Alltag genug hatte und 1970 in den hohen Norden zog.
Er baute sich erstmal eine Sauna auf den 5 ha, dann ein Sommerhaus im Blockhausstil. Das ganze ohne Strasse, versteht sich; Baumaterialien mussten mit dem Schiff über den Inarijärvi (Järvi = See; also Inarisee) transportiert werden. Jahr für Jahr baute er immer mehr, um seinen "Traum" zu verwirklichen. Heute führt eine Strasse bis nach Lapinleuku, die er mit eigenen Mitteln baute (also keine Staats- oder Gemeindeunterstützung). So geschah es auch mit Telefon- und Elektroerschliessung. Alles musste er selbst bezahlen und bauen. Die netten Nachbarn haben sich bis heute nicht daran beteiligt. "Ja - die Welt ist ungerecht" - meint er.
Aber Timo ist ein positiv denkender Mensch von A -Z. Das merkt man auch am Verhalten seiner Haustiere. Die beiden (Lappen-)Hunde Yeppe (weiss) und Riike (schwarz) stöhnen nur kurz und legen sich dann direkt vor unseren Füssen auf den Rücken (zum kraulen, versteht sich). Honey, die graue Katze ist steht's zum schmusen zur Stelle. Alle Tiere sind sehr zutraulich und zeugen von einem "lieben" Meister. Über Timo gäbe es Seiten zu schreiben, ...stundenlang könnte man ihm zuhören und immer würde man auf etwas neues stossen. Sein selbstironischer Humor ist fein und keineswegs langweilig.
Muschle und ich entschliessen uns aber doch noch für eine kleine Wanderung in der näheren Umgebung, bevor die lange Dunkelheit ab 15.00 wieder hereinbricht. Also lassen wir uns von den Köchinnen heisses Wasser für unseren Kaffee in die Thermosflasche giessen (Finnland sei ja sehr emanzipiert, meint Timo und spricht: "Ich sage - sie machen...").
Yeppe (4 Jahre alt) soll uns den ganzen Weg begleiten, Riike (schon 12 Jahre im "Dienst") kehrt nach wenigen 100 Metern wieder um. Beim ersten "kleinen" Sumpf steht Muschle auf einen halbzugefrorenen Wasserkanal und bricht prompt durchs Eis ins Wasser. Naja - der Hund jedenfalls ist zum Wandern gewillt, also sind wir es auch (nur Sümpfe will Muschle in Zukunft meiden). Durch eine wunderbare, leicht verschneite Landschaft mit schwachem Föhren- und Birkenwuchs wandern wir schliesslich um einen kleinen See etwas oberhalb von Lapinleuku. Hin und wieder befreien wir den Wolle - Hund Yeppe von seinen Schneezotteln. Die Abenddämmerung ist angebrochen und es reicht uns gerade noch, Lapinleuku zu erreichen.
Der Abend endet mit einer reichhaltigen Mahlzeit (inkl. Brennesselsuppe als Vorspeise) und interessanten Gesprächen mit unserem Timo. |